Neuer Zyklus gestartet – Magen-/Darm ein Fundus für die Phytotherapie

Volles Haus in Wädenswil zum Auftakt des neuen Zyklus im Fähigkeitsprogramm Phytotherapie SMGP

So gross wie am 24. März 2018 war das Interesse an einem Neustart des Zyklus Fähigkeitsprogramm noch nie. Rund neunzig Teilnehmende interessierte sich für das Potential der Phytotherapie bei Erkrankungen des Magen-/Darm-Traktes. Zum elften Mal wurde das modular aufgebaute Programm lanciert – 1989 wurde das Programm gestartet, die ab 2001 durchgeführten Kurse 2 sind im Website-Archiv der SMGP dokumentiert. Die Zahl der Pflanzen, die auch heute noch für Magen-/Darmbeschwerden eingesetzt werden ist gross und lässt vor allem für die Teezubereitungen zahlreiche Varianten offen, dies auch zur Individualisierung der Therapie. Funktionelle und somatoforme Störungen sind zu beachten. Kombinationen verschiedenster Pflanzen – viele enthalten Bitterstoffe oder ätherische Öle – haben sich im Magen-/Darmbereich bis heute bewährt, so das bewährte Kombinationspräparat Iberogast zur Behandlung primär der Dyspepsie. Jörg Melzer präsentierte dazu die Datenlage, wobei auch die zuletzt wieder aufgetauchten Probleme einer allfälligen Lebertoxizität verursacht durch das Schöllkraut als Bestandteil der Kombination diskutiert wurden. Es gibt keine klinischen Hinweise auf dieses theoretisch abgeleitete Risiko, das nur Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion betrifft. Reinhard Saller präsentierte ein Konzept, wie 90% der Beschwerden gezielt mit Pflanzen behandelt werden können, abhängig davon ob eine Überproduktion verbunden mit hoher Sekretion (Motility mode) oder Unterproduktion der Verdauungssäfte verbunden mit geringer Resorption von Flüssigkeit (Adsorptive mode) vorliegt. In einem zweiten Referat konnte er belegen, dass die Anwendung bekannter Teezubreitungen auch klinisch nachgewiesen erfolgreich sein kann. Dank der Firma Dixa AG in St.Gallen lag eine entsprechende Teemischung (Blähungswidriger Tee) der Schweizer Pharmakopöe vor. Marianne Ruoff beschäftigte sich intensiv mit dem Löwenzahn und stellte ihn in die Reihe starker und schwacher Bitterstoffdrogen – verschiedene Tees konnten gekostet werden. Bitterstoffe wirken anregend und sind in der Rekonvaleszent wieder zu entdecken, der Ansatz als Appetitanreger hat nur mehr reduzierte Bedeutung. Ruoff präsentierte eigene Praxiserfahrungen bei Verdauungsstörugnen (Blähungen, Völlegefühl, Sodbrennen, Probleme mit Fettverdauung), aber auch bei Hauterkrankungen wie Akne und nächtlichem Beinbrennen bei postmenopausalen Beschwerden. Nach ESCOP wirken die Blätter aquaretisch und die Wurzeln unterstützen die Leber-/Galle-Funktionen und die Verdauung. Beat Meier versuchte die Anthranoid-Drogen aus dem Fokus der Risiken zu nehmen und zeigte, dass solche bei richtiger Anwendung (Intervalltherapie in optimaler Dosierung zur Erzeugung eines kompakten, weichen Stuhls) die weiterhin zu bevorzugenden Laxantien sind, sofern faserreiche Nahrung oder arzneiliche Zubereitungen (z.B. aus indischen Flohsamen) das Ziel nicht erreichen. Zubereitungen aus Sennesfrüchten und Sennesblättern sind im Markt am besten vertreten. Die Sennoside lösen sich sehr gut in Wasser, sodass auch Teezubereitungen eingesetzt werden können. Meier empfehlt, nur zugelassene Fertigarzneimittel (auch bei Tees, dosiert in Beuteln) zu verwenden. Die Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen ist trotz vielversprechender Ansätze aus der Wissenschaft komplex, nicht zuletzt weil keine Präparate als Arzneimittel mit entsprechender Indikation zur Verfügung stehen. Das gilt insbesondere für den Indischen Weihrauch und Curcuma. Darüber berichtete Rainer Stange, Vorstandsmitglied der deutschen Gesellschaft für Phytotherapie. Ähnliches konstatierte Peter Frey für das Irritable Bowel Syndrome, bei dem er die neue Zubereitung Padma Digestin und Iberogast empfiehlt. Einfacher sieht es beim Durchfall aus: Aus der grossen Zahl der Gerbstoffdrogen sticht das Rhizom von Potentilla erecta heraus (die Europäische Pharmakopöe beschreibt eine Tinktur), bei schweren Fällen bewährt sich weiterhin die Tinctura opii PhEur: Dem Betäubungsmittelrecht unterstellt ist der Aufwand zum Rezeptieren etwas höher, doch er dürfte sich lohnen. Dies belegte an Fallbeispielen SMGP-Ehrenmitglied Valerio Rosinus. Es war wieder ein spannender Kurs mit vielen Tipps und Hinweisen. Die Serie wird im Herbst mit Kurs 3 (Herz-Kreislauf) und Kurs 5 (Atmungsorgane) fortgesetzt. Auch wenn Kurs 1 schon vorzeitig ausgebucht ist kann mit dem Fähigkeitsprogramm ohne diesen gestartet werden dank dem modularen Aufbau des Fähigkeitsprogramms.

Jörg Melzer

Marianne Ruoff

Reinhard Saller