Tetranationaler Kongress in Wien: Sommerstunden auf den Hundsheimerbergen


Der blühende Abschluss der tetranationalen Phytotherapie-Tagung in Wien – wie könnte es anders sein – war für die SMGP-Reisegruppe die Exkursion am Sonntag zur Artenvielfalt der pannonischen Flora.
Voller freudiger Erwartung – wie einst vor der Schulreise – versammelten wir uns vor dem Hotel in Wien. Und los ging die Fahrt im Reisebus rund eine Stunde von Wien entfernt an die östliche Grenze Österreichs.
Waren wir im Bus beim Anblick des Gebirgszuges mit dem höchsten Gipfel auf (lediglich) 480müM noch etwas über- oder sogar hochmütig, so realisierten wir spätestens beim Hinaufkraxeln die ernsthafte Herausforderung dieses Kalk- und Urgesteinsmassivs mitten in der Donauebene.

Geologisch gesehen gehören die Hundsheimerberge zu den Westkarpaten, der Wienerwald nordwestlich von Wien bildet hingegen den Abschluss der Ostalpen. Der Übergangsbereich zwischen verschiedenen Gebirgen verspricht immer eine besondere Flora. Kommt noch ein grosser Temperaturgradient dazu und unterschiedliche Niederschlagsverteilung, dann steht einer ausserordentlichen Vielfalt nichts mehr im Wege. Genau zu diesem Hotspot der Vielfalt führten uns Prof. Dr. Johannes Saukel, emer. Prof. Dr. Wolfgang Kubelka und seine Gattin Claudia Kubelka. Die spannenden Ausführungen zu botanischen, pharmakologischen und ökologischen Fakten sowie die Anekdoten aus einem langjährigen Forscheralltag machten die Wanderung zu einem informativen und kurzweiligen Ausflug in die Pflanzenwelt.

Bereits beim Botanisieren am Wegesrand liess sich mühelos eine grosse Vielfalt an gebräuchlichen Pflanzen aufsammeln, die auch bei uns bekannt sind:
Schafgarbe Achillea millefolium (in verschiedenen Kleinarten vorhanden, die sich anhand der Blattfiederung unterscheiden lassen), Wermut Artemisia absinthium (ein altes „Weideunkraut“), Klatschmohn Papaver rhoeas, Ackerrittersporn Consolida regalis , Hundszunge Anchusa officinalis, Königskerzen, Reseda und viele mehr.
Dann die grosse Freude, dass hier an den Hundsheimerbergen noch ganze Wiesen voller grossblütiger Strahldolden Orlaya grandiflora und von schmalblütigen Traubenhyazinthen Muscari tenuiflorum zu finden sind.

Grossblütige Strahldolde Orlaya grandiflora

Klatschmohn und Ackerritterspron

Schmalblütige Traubenhyazinthe

Beim Aufstieg auf den Bergrücken wechselten sich kahle Felsplatten mit Steppenrasen und Gebüschen (Wolliger Schneeball, Felsenbirne, Clematis recta, Edelkastanie, Eichen u.a.) ab. Auch hier führten die kleinräumigen Strukturen zu einer grossen bunt blühenden Vielfalt und vor allem auch zu einigen pannonischen Spezialitäten: Hainberger Federnelke Dianthus lumnitzeri oder dem Christusaugen Alant Inula oculus-christi.

Hainberger Federnelke

Nach der Mittagsrast kurz vor dem Gipfel haben wir die tatsächliche Querung der Hundsheimer Berge aus Zeitgründen dann etwas abgekürzt und sind wieder zum Ausgangsort hinunter gestiegen. Gut durchwärmt (oder wohl eher etwas verschwitzt) sind wir wieder beim Bus angekommen – die Temperaturanzeige bestätigte: 30°C – ein Hitzetag.

Ein herzliches Dankeschön nochmals für den tollen Ausflug!
Maja Dal Cero