Ein- und Ausblicke zu den Ostschweizer Heilkräuter Traditionen
Sommerexkursion 29. – 30. Juni 2018


 

Betriebsbesichtigung Dixa AG
Bereits bevor man die altehrwürdigen Backsteingebäude der Dixa in St.Gallen Bruggen sehen konnte, lag ein intensiver Gewürzduft in der Luft. Herzlich wurden wir von Bettina Wild, Geschäftsinhaberin der Dixa AG, zur Betriebsbesichtigung empfangen – letztes Jahr wurde gross das 101 jährige Firmenjubiläum gefeiert und auch ein Jahr später ist weiterhin viel vom Engagement und der Freude zu spüren. Wie Bettina Wild bereits vor der Führung betonte, hat die Geschichte der Dixa mit Willy Dix vor mehr als hundert Jahren als kleiner (idyllischer) Kräuterhandel angefangen und ist unterdessen längst zu einem modernen Lebensmittel- und Heilmittelverarbeitenden Betrieb angewachsen, der in modernen Verarbeitungsräumen hochprofessionell (manchmal auch maschinell bedingt eher laut) auserlesene Rohstoffe zu Qualitätsprodukten verarbeitet. Jährlich werden hier lastwagenweise Heilkräuter und Gewürze aus aller Welt importiert, geprüft, gemahlen, gemischt, weiter verarbeitet und abgepackt. Wir danken der Firma Dixa AG, die auch zu den regelmässigen Supportern der SMGP zählt und sich jeweils auch an den Ausstellungen unserer Jahrestagungen präsentiert, für die Einladung.

Besuch im A. Vogel Kräutergarten
Der Nachmittag widmete sich dann den frischen Pflanzen im Garten. Im Hätschen oberhalb von Teufen, tauchten wir ein in die Welt der üppig blühenden Echinacea und unzähliger anderer Kräuter und Gemüse auf dem Gelände, das ehemals von der Familie Alfred Vogel belebt und bearbeitet wurde. Die beiden Drogistinnen, die unsere Gruppe durch den Garten führten, liessen Alfred Vogel und seine Ideen zur Gesunderhaltung eindrücklich aufleben. So erzählten Sie, dass der Aufenthalt im Kurhaus keineswegs mit einem heutigen Wellnes-Wochenende zu vergleichen war: Aufstehen früh morgens, dann 3 – 4 Stunden Mitarbeit im Kräutergarten, nachmittags Wanderung im Alpstein – mit diesem Programm stellte sich der gute Schlaf vermutlich von alleine ein. Der Rundgang durchs „Drogeriemuseum“ mit den Gerätschaften und Maschinen zur Herstellung von Kräuterpräparaten rundete den Besuch in Teufen ab.
Die ersehnte Abkühlung der Sommerhitze der letzten Tage hat am Freitag noch einige Restwolken und viel Feuchtigkeit in der Luft entlang der Voralpen zurück gelassen.
Doch mit strahlendem Sonnenschein startete dann der Samstagmorgen.

Wanderung auf der Ebenalp
Die Seilbahnfahrt zur Ebenalp auf 1700 müM konnte von allen Teilnehmenden grad noch vor dem ganz grossen Wochenenedansturm bewältigt werden. Oben ging es gleich los mit dem Botanisieren: Auf Schritt und Tritt gab es neue Pflanzen zu entdecken, zu denen sich Geschichten erzählen liessen. Auf dem ersten Abschnitt lenkten wir das Augenmerk auf die auch aus den tieferen Lagen bekannten Heilpflanzen „zwischen Haustür und Gartentor“ wie Feldthymian Thymus serpyllum, Hirtentäschchen Capsella bursa-pastoris, Huflattich Tussilago farfara - eine schöne Einstimmung und Repetition. Es gesellten sich dann auch typische Alpweiden Heilpflanzen dazu wie der Wiesenkümmel Carum carvi, Guter Heinrich Chenopodium bonus-henricus und die Blacke Rumex alpinus oder selbstverständlich auch die Brennnessel Urtica dioica.
Nach Passage durch die Wildkirchlihöhlen und dem weltberühmten Berggasthaus Äscher an der Felswand zog sich der schmale Weg einem steilen Wieshang entlang, der stellenweise von Geröll übersäht war und auf dem man eine bunt duftende Vielfalt an Lippenblütlern beobachten konnte: Steinquendel Acinos alpinus, Wilder Dost Origanum vulgaris, ergänzt mit den gelben Blüten des Grossblütigen Fingerhuts Digitalis grandiflora. Fast bis zur Baumgrenze waren Fichten Picea abies und Bergahorn Acer pseudopplatanus zu sehen, in den Felswänden klammerten sich Mehlbeeren Sorbus aria fest. Die eigentlich Baumgrenze bildeten dann oben auf den Kalkwänden die Legföhren Pinus mugo, gemischt mit den Alpen-Hagrosen Rosa pendulina.
Nach dem steilen Aufstieg zwischen Füssler und Ebenalp wurden wir oben belohnt: ein Rastplatz mit schwindelerregender Aussicht und einer Vielfalt an botanischen Raritäten wie der Kugelorchis Traunsteineria globosa, letzte blühende Feuerlilien Lilium bulbiferum, typischen Alpenpflanzen wie Silberwurz Dryas octapetala oder die Laserkräuter Laserpitium siler und Laserpitium latifolium und eindrücklichen Heilpflanzen wie gelber Enzian Gentiana lutea direkt nebem dem weissen Germer Veratrum album.
Nach dem Mittagspicknick mit ausführlicher Gelegenheit sich in die Vielfalt zu vertiefen ging der Weg durch (Kalk-) Alpenrosen Rhododendron hirsutum gemächlich abwärts zur Gartenalp, die von hohen Felswänden umgeben in saftig grünen Wiesen liegt.

Dank der spontanen botanischen Unterstützung von Rolf Rutishauser (Prof. em. Institut für Systematische Botanik der Universität Zürich) konnten viele Einzelfragen der Teilnehmenden bis ins letzte Detail quasi bis zum letzten Härchen oder Hüllblättchen geklärt werden. Peter Frey (med. pract.) präsentierte unterdessen etliche seltene Pflanzen wie zum Beispiel das Männliche Knabenkraut Orchis mascula und erzählte Spannendes und Bemerkenswertes zu einzelnen Heilpflanzen wie der Grossen Bibernelle Pimpinella major. Maja Dal Cero (Dr.sc.nat., Ethnobotanikerin) vermittelte unterwegs Einblicke in die volksheilkundliche Medizinalflora der Voralpen und gab systematische Überblicke zu bevorzugten Pflanzenfamilien wie den Lippenblütlern und Doldenblütlern. Die rund 30 Teilnehmenden konnten an diesem Tag unterschiedlichste Facetten der Heilpflanzenbotanik direkt bei Sonnenschein im Feld erfahren.

Zum offiziellen Abschluss der Exkursion waren wir bei Koch Johann und seiner Alp-Crew auf der oberen Gartenalp zu frischer Alpenmilch und süssen Appenzeller Spezialitäten eingeladen. So konnten die Alpsteinkräuter auch noch in der durch die Kühe umgewandelten Form verkostet werden.

Ein ganz grosses Dankeschön an alle, die in der Vorbereitung, im Hintergrund, spontan in letzter Minute oder als Teilnehmende zum Gelingen dieser Sommerexkursion beigetragen haben!

Pflanzenliste (pdf)