Bitzihof, Buechiberg: SMGP-Herbstexkursion bei strahlendem Wetter in einer Idylle

Bitzihof Zvieri im Bitzihof Pflanzgarten

Aus der geplanten Herbstexkursion wurde eigentlich eine Sommerexkursion: Strahlendes Wetter empfing die Exkursionsteilnehmenden schon am Morgen in Lohn-Lüterkofen und die prächtigen, sommerlichen Verhältnisse hielten an bis zum Abend. Einmal mehr führte eine SMGP-Exkursion in eine Landschaft, die den meisten bisher völlig unbekannt war. Der „Buechiberg“ ist eine Erhebung südwestlich von Solothurn und eine Art Oase mit einer urtümlichen, von der Landschaftwirtschaft geprägten Siedlungsstruktur. Die Exkursion führte von Küttigkofen entlang eines kleinen Baches das Mülital hoch zum Bitzihof. Die Vegetation zeigte sich im herbstlichen Kleid. Die Pflanzenliste war umfangreich, der Fokus von Richard Bolli galt den traditionellen Arzneipflanzen, die am Weg anzutreffen waren. Der Weissdorn (Crataegus monogyna) reihte sich in die viel Frucht tragenden Rosaceen in der Umgebung: Die roten Früchte, grossgewachsen, leuchteten uns förmlich entgegen. Zum Geniessen sind sie nicht geeignet: Mehlig und dominiert vom grossen, harten Samen. Der Baldrian (Valeriana officinalis) präsentierte zu dieser Zeit natürlich keine Blüten mehr, doch die Blätter wollten in sattem Grün erkannt werden – das Geflecht der dünnen Würzelchen erforderte die Ausgrabung einer Pflanze. Weiter oben wucherte am Waldrand der Hopfen mit eindrücklichen Zapfen. Ausführlich diskutiert wurde die Anwendung dieser traditionellen Pflanzen, Beat Meier wies einmal mehr auf das zu wenig genutzte Potential des Weissdorns bei nervösen Herzbeschwerden hin und erläuterte die verschiedenen Stammpflanzen, die gemäss Europäischer Pharmakopöe zugelassen sind. Einzelne Exemplare der Spierstaude standen in verspäteter Blüte, doch meistens war da der Fruchtstand, dessen Schönheit Richard Bolli im Gegenlicht zur strahlenden Sonne präsentierte. Die Herrlichkeit ist sehr labil – beim Abstreifen zerfiel die Struktur schlagartig und in der Hand verblieben Dutzende der kleinen Samen. Der Geruch der Pflanze stammt vom darin enthaltenen Salicylaldehyd – sie wird ja primär in Fiebertees verwendet. Im Wald lenkte Richard Bolli die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden auf das Lärchenharz – verarbeitet in eine topische Zubereitung zeigt dieses erstaunliche, wundheilende Eigenschaften. Dieser Ansatz führte dann nach dem Mittagessen an einem Waldrand über zum Nachmittagsprogramm, das in zwei rotierenden Gruppen ablief. Barbara und Richard Bolli leben seit einigen Jahren auf dem Bitzihof und pflegen hier ein Grundstück, zahlreiche Lebensmittel gemäss einer ökologischen Landwirtschaft für die Eigenversorgung anbauend. Richard erläuterte das Anbaukonzept und wusste zu vielen Nutzpflanzen etwas zu erzählen. Barbara beschäftigte die Teilnehmenden mit der Produktion eines Zwetschgen-Chutneys, eines Holunder-Blüten-Früchte-Punschs und eines Fichtenharzbalsams. So konnten alle eine selbst produzierte Erinnerung an den Bitzihof mitnehmen. Zum Abschluss liess sich beim Bitzihof-Zvieri mit Produkten aus dem Haus noch einmal über das Erlebte fachsimpeln und diskutieren. Bilanz eines (erfahrenen) Teilnehmers: „Das ist doch eine Superfortbildung. An der frischen Luft, mit lebendigen Bildern im Kopf bleibt das Gelernte auch hängen.“ Vielen Dank an Barbara Suter und Richard Bolli, dass sie dieses Erlebnis möglich machten.

Bericht: Beat Meier
Fotos: Peter Frey

Pflanzenliste (pdf)


Richard Bolli erläutert das herbstliche Mädesüss (mal ohne Blüten, dafür mit Früchten), ...

... den Baldrian mit seinen Wurzeln und ...

... den wuchernden Hopfen

Der Bitzihof

Arbeiten mit Zwetschgen

Barbara Zürcher (links), Präsidentin Komitee SSPM, mit ihren Kindern und Barbara Suter bei den letzten Vorbereitungen