Erfolgreicher Kurs 5 mit Praxisteil

Raffeln von frischem Meerrettich für die Merrettichkompresse ... ... Vorsicht: Nur kurzzeitig anwenden, reizt die Haut.

Erkrankungen der Atemwege sind ein für die Phytotherapie sehr ergiebiges Thema. Die ausgesprochen grosse Anzahl an pflanzlichen Fertigpräparaten für diesen Indikationsbereich spiegelt dies deutlich wieder. Mit einer Auswahl der wichtigsten und am häufigsten eingesetzten Arzneipflanzen und deren Zubereitungen konnten sich die ca. 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des SMGP-Kurses 5 intensiv auseinandersetzen. PD Dr. Andreas Schapowal erklärte aufgrund der zur Verfügung stehenden naturwissenschaftlichen Daten die Einsatzgebiete der Fertigpräparate, die Efeu, Kaplandpelargonie, Sonnenhut, Thymian, Eukalyptus und weitere Arzneipflanzen enthalten. Aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung empfahl er auch für einige Präparate Dosierungen, die ausserhalb der offiziellen Vorgaben liegen. Er betonte dabei, dass es bei Erkältungserkrankungen wichtig ist, rechtzeitig, d.h. in einem sehr frühen Stadium der Krankheit, mit der Phytotherapie zu beginnen und bei ausgewählten Präparaten kurzfristig durchaus auch höher als in der Fachinformation angegeben zu dosieren. Auch Kombinationen dieser Arzneipflanzenpräparate untereinander sind möglich und sinnvoll. Gerade im Zusammenhang mit den zunehmenden Antibiotikaresistenzen wird aber leider zur Zeit (noch) das Potential der pflanzlichen Arzneimittel unterschätzt.

Auch wenn der Sonnenhut zu den bekanntesten Arzneipflanzen gehört, bestehen viele Unklarheiten bezüglich der Anwendungsweise und -dauer. Hier sorgte Roland Schoop für Klärung.So kann der Sonnenhut neben der alternierenden Therapie durchaus auch die ganze Wintersaison hindurch eingenommen werden. Auch die Frage der möglichen Überstimulation des Immunsystems wurde von ihm eindeutig verneint, da es sich nur um eine Modulation des unspezifischen Immunsystems handelt. Auch bei Sonnenhut gilt, dass bei akuten Situationen die Dosierung kurzfristig erhöht werden kann.

Dass Thymian nicht gleich Thymian ist, zeigte Professor Reinhard Saller sehr eindrücklich auf. Beschränkt man sich nur auf Thymus vulgaris, so zeigt sich hier, dass die möglichen Einsatzgebiete weit über den Bereich der Atemwege hinausgehen. So hat der Thymian auch ein grosses Potential bei diversen Hauterkrankungen und auch die angstlösende Komponente steht zur Zeit im Fokus der Forschung. Thymian wird ausserdem häufig in Kombinationstherapeutika verwendet, beispielsweise in Tees verwendet.

Auch wenn Tees immer wieder belächelt werden, ist der Wirksamkeit gerade bei Atemwegserkrankungen nicht zu unterschätzen. Der offizinielle Hustentee "Species pectorales Ph.Helv." ist ein Beispiel dafür. Diesen konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anhand von Mustern, die freundlicherweise die Firma Dixa zur Verfügung gestellt hat, eingehend untersuchen und testen (eine Teilnehmerin meldete sich einen Tag nach dem Kurs ganz begeistert von der Wirkung des Tees gegen ihre Erkältung). Professor Beat Meier erklärte ausführlich die Wirkungsweise der einzelnen Bestandteile dieses Tees, insbesondere der Saponindrogen und erklärte damit die Sinnhaftigkeit dieser Mischung.

Wie nun ein phytotherapeutisches Repertoire in einer HNO-Praxis aussehen könnte, stellte Dr. Stefan Schumacher aus Sicht seiner Praxiserfahrung dar. Er zeigte sehr eindrücklich, welche Vielfalt an Symptomen mit den Atemwegen in Zusammenhang stehen und welche Vielfalt an Arzneipflanzen und deren entsprechenden Zubereitungen zur Behandlung dieser Symptome zur Verfügung stehen und die er mit grossem Erfolg einsetzt. Auch legte er grossen Wert auf die Differentialdiagnostik und warnte vor Fehlinterpretationen (z.B. können Kieferschmerzen fälschlicherweise als Ohrenschmerzen wahrgenommen werden).

Ätherische Öle sind bei der Therapie von Atemwegserkrankungen nicht wegzudenken, doch muss man wissen, welche ätherische Öle geeignet sind. Vor allem bei Säuglingen und Kindern muss darauf geachtet werden, dass nur die milden ätherischen Öle eingesetzt werden. Karoline Fotinos-Graf gab eine prägnante Einführung in die Aromatherapie. Sie belieferte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur mit vielen praktischen Tipps, sondern auch mit sehr nützlichen Tabellen und Rezepturen, in denen klar zwischen dem Einsatz bei Säuglingen, Kindern und Erwachsenen unterschieden wurde. Da ätherische Öle ein wichtiges Thema sind, hat die SMGP auch die Aromatherapie für die diesjährige Jahrestagung am 22. November 2018 in Baden zum Motto genommen.

Als Abschluss des Kurstages wurde es für einmal sehr praktisch. Arlette Bologni zeigte Möglichkeiten auf, wie mit einfachen Mitteln Wickel und Kompressen hergestellt werden können. Auch hier gilt es zu wissen, wo die Grenzen liegen und wo man vorsichtig sein muss. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durften dann gerade selber einen Thymianwickel und Meerrettichkompressen herstellen und an sich ausprobieren. Mit vielen Eindrücken und Ideen für den Praxisalltag wurde der Kurstag beendet. Für alle, die diesen Tag verpasst haben, sei an dieser Stelle schon verraten, dass das Thema Atemwegserkrankungen an der Jahrestagung 2019 wieder aufgegriffen wird, selbstverständlich mit anderen Schwerpunkten.


Vorbereitungen für den Handwickel - der erste ist schon angelegt. Ganz einfach mit einem mit heissem Wasser übergossenen Teebeutel. Auf den Tischen das Instrumentarium für das Anlegen von Wickeln und Kompressen.

SMGP-Vorstandsmitglieder hautnah: Beatrix Falch leitete den Kurs, Karoline Fotinos gab eine Einführung zur Anwendung ätherischer Öle bei Erkältungskrankheiten.

Seine breite Erfahrung mit Phytotherapie in der HNO-Praxis präsentierte Stefan Schumacher. Sein Motto bei den oft schwierigen Problemkreisen: Pflanzliche Zubereitungen lindern und reduzieren Beschwerden.

Reinhard Saller präsentierte den Thymian in allen seinen Facetten von der Vergangenheit bis in die Zukunft

Echinacea purpurea im Fokus der Forschung - davon wusste Roland Schoop vieles zu berichten. Andreas Schapowal belegte, dass viele pflanzliche Arzneimittel mit klinischen Daten hinterlegt sind.