Wissenschaft für Phytotherapeuten - Analyse klinischer Studien und eigene Datensammlung


Im Prinzip ist im Rahmen des Fähigkeitsprogramms Phytotherapie Kurs 4 zum Thema Arzt, Tierarzt und Apotheker (Frauen mitgemeint) und die klinische Forschung in der Phytotherapie zum Erklären die schwierigste Einheit. Und doch öffnet er immer wieder spannende Einsichten. Im Kurs wird viel in Gruppen gearbeitet und das führt zu Gesprächen und Erkenntnissen. Das morgendliche Programm steht ganz im Zeichen der klinischen Forschung mit pflanzlichen Arzneimitteln. Jörg Melzer vermittelte die Grundlagen zum Lesen und Bewerten klinischer Studien. Systematisches Arbeiten hilft zum Verständnis - viele der Teilnehmenden setzten sich zum ersten Mal hinter eine solche Arbeit. Stimme einer Teilnehmerin: „So habe ich eine klinische Studie noch nie betrachtet." Dass es sehr leicht ist klinische Studien zu verlangen, aber sehr schwierig solche durchzuführen legte Andy Suter dar und zwar anhand persönlicher Erfahrung als Studienleiter bei der Bioforce AG. Der administrative Aufwand ist erheblich - zudem darf die Dokumentation keine Lücken haben. Ethikvoten sind unerlässlich: Dank dem neuen Forschungsgesetz ist nun nur noch eine der vielen ethischen Kommissionen der Schweiz zuständig, diejenige, bei der die Eingabe gemacht wird. Swissmedic prüft nur noch formale Aspekte. Dies ist eine Vereinfachung, die aber durch vermehrte Prüfungen zur Qualitätssicherung im Rahmen der Studie mehr als kompensiert wird. So ist und bleibt es schwierig Studien mit pflanzlichen Arzneimitteln in der Schweiz durchzuführen. Suter betonte, dass in den forschenden Schweizer Firmen klinische Prüfungen mit höchstmöglicher Sorgfalt und gemäss den aktuellen Gesetzen und Vorgaben sowie den klinischen Erkenntnissen durchgeführt werden. Eine kritische Betrachtung klinischer Resultate ist gerechtfertigt, nicht jedoch ein permanentes Misstrauen hinter jedem positiven Ergebnis.

Der Nachmittag stand im Zeichen der Möglichkeiten, eigene Daten zu sammeln und eigene Bewertungen durchzuführen. Die über sechzig Teilnehmenden stehen ja alle vor der Herausforderung, für den Fähigkeitsausweis eine Zertifikatsarbeit vorlegen zu müssen. Sabine Lorch erklärte das internetbasierte SMGP-Datenerfassungssystem Herbie mit einem Fokus auf die möglichen Auswertungen, die sie nach dem Datenimport in Excel vorbereitet hat. Elisa Marchiondi erläuterte ihre Zertifikatsarbeit, deren Grundlage ein selbst entwickelter Datenbogen war. Sie beschäftigte sich dabei mit Phytotherapie in der Familie und entwickelte eine phytotherapeutische Hausapotheke. Reinhard Saller gab einen Einblick in die Datenerfassung, eine ganze Reihe von etablierten Fragebogen wie die Hamiltondepressionsskala , verschiedene Clinical Global Impression-Skalen (CGI) etc, aber auch die Visual Analog Skalen erläuternd. Die drei Themen wurden in Gruppenarbeiten vertieft, ergänzt durch eine Runde für die ApothekerInnen, denen Beatrix Falch Möglichkeiten für Arbeiten aufzeigte. Diskutiert wurden auch die rechtlichen Voraussetzungen in Anbetracht des Forschungsgesetzes - als Qualitätskontrolle der eigenen therapeutischen Massnahmen sind solche Untersuchungen zulässig. So verging auch dieser Tag im Nu - die Teilnehmenden zeigten viel Engagement. Der nächste Kurs findet am 21. März 2019 zum Thema Phytotherapie bei Erkrankungen im Urogenitalsystem statt. Für Kurs 1 in Engelberg empfiehlt es sich jetzt anzumelden, da die Zahl der Interessenten schon beachtlich ist und eine Limitierung der Teilnehmenden bei 30 gesetzt ist.


Im Einsatz für eine wissenschaftlich orientierte Phytotherapie:

Sabine Lorch, ...

... Elisa Marchiondi und

Andy Suter

Gruppen an der Arbeit