Phytotherapie in der Gynäkologie und Urologie – auf Erfolgskurs

Regina Widmer wusste mit ihren patientinnenorientierten Konzepten einmal mehr zu begeistern

Der Kurs 6 "Phytotherapie bei Erkrankungen im Urogenitaltrakt" ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Vielfalt an Arzneipflanzen für eine individualisierte Therapie genutzt werden kann. Ausgehend von klinisch geprüften Fertigpräparaten, die als Basistherapeutika in der Gynäkologie und Urologie eingesetzt werden, wurden am Donnerstag, 21. März, am Kurs 6 in Wädenswil alternativ oder ergänzend eine ganze Reihe von verschiedenen Arzneipflanzen vorgestellt, die gezielt und auf die jeweilige Symptomatik abgestimmt bei ganz unterschiedlichen Beschwerdebildern in der Urogynäkologie angewendet werden können. Und so wurde auch immer wieder die wunderbare Möglichkeit, magistral individuelle Rezepturen zu verschreiben, betont.

Die SMGP-Vizepräsidentin, Dr. Beatrix Falch, erklärte in zwei Übersichtsreferaten, welches Potential die Arzneipflanzen in der Urogynäkologie besitzen. Sie zeigte auf, dass die Phytotherapie bei der Prävention und Behandlung von Harnwegsinfekten einen wichtigen Platz einnehmen. Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Antibiotikaresistenzen sind pflanzliche Extrakte mit ausgewiesener antibiotischen Wirksamkeit eine wichtige Alternative, die aber in der Schulmedizin und in der Forschung leider (noch) viel zu wenig Beachtung findet. Auch zur Behandlung der Reizblase (Overactive Bladder) bietet die Phytotherapie mit spasmolytisch wirkenden Arzneipflanzen, wie z.B. Bryophyllum, interessante Behandlungsoptionen. Professor Hubert John, Kantonsspital Winterthur, stellte das ganze Krankheitsspektrum rund um die Prostatabeschwerden vor. Dabei zeigte er auf, wie wichtig die Differentialdiagnose ist, um eine individuell angepasste Therapie zu ermöglichen. Bei der gutartigen Prostatavergrösserung haben sich Extrakte aus Sägezahnpalmfrüchte bewährt, deren Wirkung auch mit einigen klinischen Studien belegt ist.

Auf die Behandlungsmöglichkeiten der vielfältigen Beschwerden im Vulvo-Vaginalbereich ging Dr. Regina Widmer, Solothurn, ausführlich ein. Über die Jahre hat sie ein Konzept erarbeitet – das AAAAA-Konzept –, mit dem alle Symptome abgedeckt werden können und mit dem sie sich die verschiedenen pflanzlichen Inhaltsstoffe, wie beispielsweise ätherische und fette Öle sowie Gerbstoffe, zu Nutze macht.

SMGP-Geschäftsführer, Prof. Beat Meier, zeigte sehr fundiert und detailliert die Wirkung und Anwendungsmöglichkeiten von Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) auf. Der Mönchspfefferfrüchteextrakt ist neben Progesteron derzeitig als einziger für die Behandlung des Prämenstruellen Syndroms von Swissmedic zugelassen – dies ist ein schönes Beispiel dafür, dass mit Arzneipflanzen therapeutische Lücken in der Schulmedizin geschlossen werden können. In ihrem zweiten Referat legte Beatrix Falch dann den Schwerpunkt auf die Beschwerden rund um die Menstruation. Sowohl die Dysmenorrhoe wie auch Zyklusstörungen können je nach Symptomatik und Triggerfaktoren individuell behandelt werden. So werden bei unregelmässigen und zu seltenen Monatsblutungen östrogen- und progesteronartig wirkende Arzneipflanzen abwechselnd eingesetzt, so dass sich ein regelmässiger Zyklus wieder einstellen kann. Bei starken Blutungen haben sich gerbstoffhaltige Arzneipflanzen bewährt. Dr. Gesa Otti-Rosebrock zeigte dann am Beispiel der Endometriose, dass auch bei komplexeren und gravierenderen Beschwerden, durchaus Therapiemöglichkeiten mit krampflösenden und progesteronwirksamen Arzneipflanzen bestehen. Hierbei betonte sie, dass die Beschwerdefreiheit und ein allfälliger Kinderwunsch im Fokus stehen muss. Als Basistherapie erwähnte auch sie die Leberstärkung mit bitterstoffhaltigen Arzneidrogen.

Dr. Dorin Ritzmann stellte nicht nur verschiedene, zum Teil auch weniger bekannte Arzneipflanzen für die häufigsten Symptome in den Wechseljahren vor, sondern sie zeigte auch die weltweite Verteilung dieser Beschwerden, die damit auch eine kulturell-gesellschaftliche Komponente vermuten lassen.

Mit dem Thema Schwangerschaft und Stillzeit endete dann der Kurs. Beatrix Falch stellte aufgrund des langjährigen Erfahrungsaustausches im Herbadonna-Netzwerk (s.a. www.herbadonna.ch), einer Arbeitsgruppe der SMGP, für ausgewählte Beschwerden in der Schwangerschaft und Stillzeit bewährte Arzneipflanzen und deren Zubereitungen vor.

Dank der vielen Anregungen, Tipps, Rezepturbeispielen und Detailwissen zu einzelnen Pflanzen waren die Teilnehmenden am Schluss des Kurses rundum zufrieden. Der nächste Kurs findet am 26. September 2019 zum Thema "Pflanzliche Sedativa und der Einfluss von Arzneipflanzen auf die Psyche" (= Kurs 7) statt. Der Grundkurs (= Kurs 1) in Engelberg ist bereits ausgebucht.

Beatrix Falch moderierte den Kurs und referierte selbst über die Möglichkeiten der Phytotherapie in der Gynäkologie und präsentierte ihre dokumentiertes Wissen zur Anwendung pflanzlicher Arzneimittel in der Schwangerschaft

Grosses Interesse für die Arznei- und Pflegemittel von Regina Widmer unter den Teilnehmenden
Gesa Otti gab Ratschläge zur Behandlung der Endometriose Pflanzliche Arzneimittel bei Prostata-beschwerden: Eine gute Wahl bei richtiger Anwendung und Indikationsstelle für den ausgewisenen Urologen Hubert John vom Kantonsspital in Winterthur

Dorin Ritzmann referierte zu Wechseljahr-beschwerden und motivierte für eine antioxidative Ernährung