SMGP / SSPM
Pflanzliche Helfer für die tierische Verdauung


Der Kurs 2 zum Thema Phytotherapie bei Magen-Darm-Erkrankungen sorgte auch im veterinärmedizinischen Parallelprogramm für einen vollen Saal. Fünf Referenten deckten ein breites Artenspektrum ab, vom Kaninchen über Hund und Katze, Schaf und Ziege bis zum Pferd. Den Einstieg machte wie gewohnt der Chemiker und Pharmazeut Dr. Christian Mayer. Er zeigte, wie Arzneipflanzen nach Anwendungsgebiete in Stomachia, Cholagoga, Carminativa, Antidiarrhoica und Laxantien eingeteilt werden und ging auf die dafür verantwortlichen Wirkstoffe ein. Im Detail stellte er Mariendistel, Ingwer und Tormentill vor.

Dass Tiere und Therapeuten von Arzneipflanzen profitieren, veranschaulichte Tierarzt Dr. Beat Wampfler vom Nationalen Pferdezentrum Bern in seinem lebhaften Referat. Gastritis, Koliken, Blähungen, Kotwasser, Fohlendurchfall und Obstipation können mit Phytotherapeutika behandelt werden. Der Tierarzt sei dabei gefordert, die richtigen Arzneipflanzen zusammenzustellen, anstatt einfach in den Arzneimittelschrank zu greifen, „Phytotherapie regt zum Denken an!“ Viele Pferde leiden heute weniger an „Burnout“ als vielmehr an „Boreout“, einem unerträglichen – und krankmachenden - Langeweile-Stress durch Unterforderung. Bei Pferden gilt es bei jeder Behandlung die Dopingproblematik im Hinterkopf zu behalten.

Die Tierärztin Dr. Alexandra Nadig brachte eine breite Palette an Fallbeispielen aus ihrer Praxis, in der sie fast ausschliesslich mit Phytotherapie arbeitet. Viele ihrer Patienten sind kleine, sensible, eher nervöse Hunde; für eine dauerhafte Besserung muss deshalb auch die Psyche in die Behandlung einbezogen werden. Darmsanierung und Nahrungsumstellung, teilweise auch auf Hausmannskost, ist dabei unumgänglich.

Die Magen-Darm-Parasiten von Schafen und Ziegen sind ein leidiges Thema. Resistenzen gegen neu entwickelte Mittel treten in immer kürzeren Intervallen auf. Dr. Steffen Werne forscht am FIBL nach anderen Möglichkeiten der Parasitenhemmung. Esparsette ist seit einigen Jahren als wurmhemmend bekannt, muss aber als Alleinfutter über längere Zeit gegeben werden. Ihr Anbau ist nicht ganz einfach. Eine andere Möglichkeit sind Sporen eines nematophagen Pilzes. Könnte man diese so verabreichen, dass sie die Magenpassage unversehrt überstehen, hätte man die Sporen gleich im Kot der Tiere und damit an ihrem Wirkungsort. Die Forschung an einer gangbaren Alternative zu den chemischen Anthelmintika geht also weiter.

Zum Schluss des Kurses kam mit Kaninchen etwas vorösterliche Stimmung auf. Die Biologin Ursula Glauser legte ihr Augenmerk auf alte einheimische Heilpflanzen wir Beifuss, Nelkenwurz, Dost, Ruprechtskraut und Blutweiderich und zeigte auf, wie diese bei Kaninchen eingesetzt werden. Dank der guten Akzeptanz kann man die frischen oder getrockneten Kräuter einfach verfüttern. Trotzdem müssen die Ursachen der Verdauungsstörungen wie falsche Fütterung, Bewegungsmangel, Stress und Infektionsdruck durch schlechte Hygiene beseitigt werden.

Steffen Werne und Christian Mayer

Alexandra Nadig und Beat Wampfler